Wann am besten wohin

Wir sind eine fünfköpfige Familie und fahren ab Juli 2027 ein Jahr lang mit dem Elektroauto durch Europa. Ein ganzes Jahr, drei Kinder, ein Job, der weiterläuft, und eine Route, die bisher vor allem aus vielen Ideen besteht.
Hier im Blog schreiben wir auf, was bei der Vorbereitung anfällt, wie das mit der Schule von unterwegs funktionieren soll und in der Kids-Ecke dokumentieren die Kinder ihre Erlebnisse. Dazwischen findet ihr die Berichte von unseren bisherigen Reisen, zuletzt Großbritannien und New York.
Einer der Gründe, warum wir uns für diese Reise entschieden haben ist, dass wir Europa nicht nur als Touristen bereisen, sondern richtig erleben wollen. Statt Top-Ten-Listen abzuarbeiten und ständig schon wieder an die Heimreise zu denken, wollen wir herausfinden, wo in einem portugiesischen Küstenort das Brot am besten schmeckt, welcher Spielplatz in Ljubljana am späten Nachmittag der beste ist und wie sich ein ganz normaler Dienstagvormittag in Neapel anfühlt. Wäsche waschen, einkaufen gehen, Matheaufgaben am Strand – wir wollen den Alltag abseits der Touristenströme entdecken.
Nur wo fängt man an, wenn einem für ein Jahr ein ganzer Kontinent offensteht? Im Sommer kommt der Mittelmeerraum für uns klimatechnisch leider nicht mehr infrage. Daher war ein Start in den skandinavischen Ländern naheliegend. Da wir mit den Kindern noch gar nicht im Norden unterwegs waren, machen wir uns erst einmal ganz in Ruhe auf den Weg zum Nordkap. Der erste Monat unserer Reise liegt auch noch voll in den Sommerferien, und so werden wir diesen auch eher wie einen für uns typischen Urlaub verbringen: Mit häufigen Ortswechseln und viel Sightseeing. Danach, wenn die Schule startet und zumindest einer von uns auch von unterwegs arbeiten wird, werden wir hoffentlich auch mehr Alltag und Routinen einziehen lassen.
Einige Fixpunkte für die Route ergaben sich aus spontanen Ideen. So würden wir zum Beispiel gerne einmal Weihnachten in Florenz erleben, weil die Stadt an sich schon ein unglaubliches Flair hat. Die Mandelblüte im Februar und März in Spanien markiert einen weiteren wichtigen Meilenstein, ebenso die Olivenernte in Griechenland, die von Ende September bis Januar stattfindet. Da wir außerdem Ost- und Südosteuropa noch nicht so gut kennen, möchten wir auch das Baltikum und die Balkanhalbinsel bereisen, letztere allerdings nicht in den heißen Sommermonaten.



Auch die beiden Großen wollen wir natürlich in die Planung mit einbeziehen. JJ wollte unbedingt im Januar Snowboard fahren; Nudel war glücklich mit allem, was wir ihr an Möglichkeiten gezeigt haben. Nachdem wir also gemeinsam einen Reiseführer nach dem anderen gewälzt haben (als besonders hilfreich hat sich hierbei die Reihe „Wann am besten wohin“ von Lonely Planet erwiesen) und die Liste mit Dingen, die wir gerne sehen und erleben wollten, immer länger wurde, haben wir doch noch einmal innegehalten. Machten wir nicht gerade den gleichen Fehler wie vor jedem Urlaub und waren dabei, in die Urlaubs-Fomo zu rutschen? 100 ToDos, die einfach nur abgearbeitet werden mussten? Nein, gerade das wollten wir doch vermeiden und uns einfach mit viel Zeit treiben lassen.
Also weg mit all den Listen – stehen blieben nur etwa vier wichtige Punkte, um die herum wir unser Jahr ganz locker und unaufgeregt gestalten wollen und eine ganz grobe Idee von einer Route, bei der wir wahrscheinlich in Norwegen starten und Europa anschließend im Uhrzeigersinn umrunden werden. Verbissen festhalten werden wir daran allerdings nicht. Wenn uns die Launen oder das Wetter oder nette Menschen in andere Richtungen treiben, dann lassen wir das zu.