Wahrscheinlich glücklich. Warum uns das nicht reicht.

Unsere Gründe, ein Jahr lang mit drei Kindern durch Europa zu fahren
Wir leben in der unheimlich komfortablen Situation, eigentlich läuft alles im Leben gerade gut. Die Kinder haben Hobbys, sind gut integriert und haben Spaß in der Schule, unsere Jobs machen uns glücklich und ermöglichen es uns, den Hauskredit regelmäßig zu bedienen und sogar zwei Urlaube sind jedes Jahr noch drin, wobei jeder Sommerurlaub mit vier Wochen auch noch überdurchschnittlich lang ist. Es geht uns gut und wir könnten uns in diesem bequemen Leben einigeln und wären in 20 Jahren wahrscheinlich ziemlich happy. Warum dann dieses Abenteuer? Warum das Risiko eingehen, dass die Kinder den Anschluss verlieren oder dass nach 6 Monaten doch das Geld zur Neige geht?
Nun, die Frage lässt sich wohl nicht so einfach beantworten. Ein großer Teil ist wahrscheinlich das Fernweh, die Abenteuerlust. Wir möchten Dinge erleben, die sich nicht so einfach in vier Wochen Sommerurlaub quetschen lassen. Klar kann man auf einem Sommertrip die Touri-Hotspots abhaken, aber wir wollen erleben, wie sich der Alltag in Tromsø, in Sarajevo und in Neapel anfühlt. Wir wollen unseren Kindern zeigen, dass das, was wir zu Hause leben, keine Selbstverständlichkeit ist, dass unser westeuropäischer Lebensstandard nicht das Maß aller Dinge sein muss und es auch abseits von Hektik und Konsum Wege zum Glück gibt.
Unsere Kinder und das Bedürfnis, ihnen die Welt oder zumindest einen Teil davon zu zeigen, das ist auch ein Teil der Antwort. Wir wollen gemeinsam mit ihnen verschiedene Kulturen in Europa erleben und ihnen so die Vielfalt zeigen, die unseren kleinen Kontinent ausmacht. Dabei sollen sie auch lernen, dass es gut sein kann, sich etwas zu trauen. Natürlich reden wir mit ihnen auch offen über Ängste und Sorgen, die wir haben, und zeigen ihnen, dass es sich manchmal lohnt, seine Komfort-Zone zu verlassen und kopfüber ins kalte Wasser zu springen. Selbst wenn am Ende vielleicht ein Schuljahr fehlt, die Erinnerungen und Erlebnisse kann ihnen hinterher keiner mehr nehmen.
Auch das Lernen wird unterwegs ein anderes sein. Statt Stoff im Klassenzimmer vorgesetzt zu bekommen, müssen und dürfen sich die Kinder vieles selbst erarbeiten. Sie werden merken, dass sie für ihren Lernprozess selbst verantwortlich sind und dass dazu eine gehörige Portion Selbstorganisation gehört, aber auch, dass sie ihren Interessen folgen dürfen.
Wir sind außerdem der Überzeugung, dass so ein Jahr auf engstem Raum und ohne viel Schnickschnack auch uns als Familie prägen wird. Wir müssen enger zusammenrücken und lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Wir lassen natürlich einen Großteil unseres Besitzes zurück. Die Kinder werden ihre geliebten Spielsachen entweder gar nicht vermissen oder sie danach wieder ganz anders zu schätzen wissen.
Was genau dieses Jahr alles mit uns machen wird, das können wir eigentlich noch gar nicht abschätzen. Aber wir sind zuversichtlich, dass es gut sein wird und bereit, den Sprung zu wagen. Wer wir eigentlich sind, erfahrt ihr bei uns fünf, und wo es ungefähr langgehen soll, zeigt unser grober Plan. Bis dahin schreiben wir hier auf, was bei der Vorbereitung anfällt: von Routenplanung über Schulbefreiung bis zu der Frage, wie man ein Jahr lang unterwegs arbeitet.
Dazwischen findet ihr die Berichte von unseren bisherigen Reisen, zuletzt Großbritannien und New York. Die sind nicht nur Erinnerung, sondern auch Übung: Jede dieser Reisen hat uns etwas beigebracht, das wir 2027 brauchen werden.