North York Moors und Schottland: mit Kindern von Whitby bis Loch Lomond

Nach den ersten Etappen in Oxford und Stannington ging es über York weiter nach Whitby an die ostenglische Nordseeküste.
Whitby und der North York Moors National Park
Whitby ist ein hübscher kleiner Küstenort und wohl deshalb auch zur Hauptsaison tagsüber ein wenig überlaufen und so lohnt es sich umso mehr, eine Unterkunft direkt im Ort zu haben. Auf diese Weise kann man Whitby in den ruhigen Morgen- und Abendstunden erkunden, wenn die meisten Tagestouristen noch nicht an- oder bereits wieder abgereist sind und dem Trubel selbst tagsüber entfliehen. Mehr Infos zu unserer Unterkunft in Whitby und darüber, was man hier alles mit Kindern direkt im Ort Unternehmen kann, gibt es demnächst in einem separaten Artikel.


Gleich nach der Ankunft in Whitby merkten wir, dass wir nicht für jedes Wetter gut gerüstet waren. Zwar waren wir auf den typisch britischen Regen eingestellt und so hatten wir neben ausreichend Sommerklamotten auch neu angeschaffte Regencapes für alle dabei (die wir in den ganzen drei Wochen im Juli übrigens kein einziges mal brauchten), von der durchaus starken Meeresbriese, die uns sowohl hier, als auch später in Nordwales um die Nasen wehte, waren wir allerdings doch etwas überrascht. Und so begannen wir unseren ersten Tag hier damit, im Mountain Warehouse Halstücher und Fleece-Pullis für die Kinder zu shoppen.
Auf Fossiliensuche in Staithes und Robin Hoods Bay
Andere kleine Küstenorte, die von Whitby aus gut zu erreichen sind, sind Staithes in nördlicher Richtung und Robin Hoods Bay etwa 15 Autominuten südlich (Achtung, auch in Robin Hoods Bay sind einige Tagestouristen unterwegs, aber nach unserem Empfinden nicht ganz so viele wie in Whitby). In allen kleinen Fischerorten hier entlang der Küste kann man super frische Fish and Chips essen, hierfür sollte man jedoch auch die besonders großen und besonders zentral gelegenen Urlauber-Hotspots meiden und eher kleinere Lokale aufsuchen.




Wenn man die Gezeiten im Blick hat, lohnt sich ein ausgedehnter Spaziergang am Strand entlang. Vor allem Kinder (und motivierte Papas) können hier stundenlang damit zubringen, nach Fossilien zu suchen, gehören doch Englands Küsten zu den weltbesten Fossilienfundorten. Es empfiehlt sich, einen Hammer dabei zu haben und einige Steine damit zu öffnen. Mit ein wenig Erfahrung bekommt ihr schnell einen Blick dafür, bei welchen Steinen sich das lohnt. Aber Vorsicht: Auf keinen Fall sollte man Werkzeuge direkt an den Klippen ansetzen oder versuchen, Fossilien direkt aus dem Fels zu brechen. Das ist nicht nur streng verboten und kann mit Geldstrafen geahndet werden, sondern verletzt auch den Naturschutz und kann zu gefährlichen Felsabbrüchen führen. Kleinere Steine können auch ohne Hammer durch Aneinanderschlagen einfach zerbrochen werden.
Industriegeschichte im North York Moors Nationalpark
Einen wunderschönen Tagesausflug haben wir in den North York Moors Nationalpark hinein unternommen. Wir besuchten das Danby Lodge National Park Centre, wo die Kinder erst mal eine halbe Stunde nicht von dem wirklich sehr schönen Spielplatz weg zu bewegen waren. Das machte aber gar nichts, denn mit einem Coffee to go aus dem Café des Visitor Centers (das übrigens auch ein fantastisches Mittagsangebot bietet) ließ es sich auf einer Bank gut aushalten. Anschließend haben wir die zwei kleinen Rundwege erkundet, die besonders für Kinder schön gestaltet waren. Man konnte das zum Nationalparkzentrum gehörige Gebiet auch verlassen um eine ausgedehntere Wanderung zu beginnen, allerdings haben wir uns dagegen entschieden und stattdessen noch die kleine Ausstellung im Visitor Center besucht (der Eintritt war kostenlos). Hier gab es einiges über den Eisenerzbergbau in der Umgebung zu lernen und die Kinder konnten sich an zahlreichen interaktiven Elementen ausprobieren.



Nur 20 Autominuten vom Danby Lodge National Park Centre entfernt liegt etwas versteckt die alte Warren Moor Mine. Der Weg dorthin endet in einer winzigen Straße, fast schon ein Feldweg. Als wir uns gerade fragten, ob wir wirklich richtig sind, mündete der Feldweg in einer kleinen Einbuchtung, gerade groß genug für zwei Autos. Ein Gatter führt auf eine Wiese, über die verläuft ein Trampelpfad, den man einen Hügel abwärts ein Stück weit gehen muss, bis er nach einer Biegung plötzlich mitten in der Landschaft steht: Der einzige vollständig erhaltene viktorianische Eisenerzminenkamin Englands. Eine Infotafel informiert über die Geschichte der Warren Moor Mine und ein paar niedrige Ruinen im hohen Gras laden Kinder zum darüber tollen ein. Wenn man den Trampelpfad weiterläuft kommt man zu einem kleinen Flüsschen, an dem man auch noch ein Stück weiter spazieren kann.

Die offizielle Tourismusseite hat noch deutlich mehr Ziele in den North York Moors als das, was wir in vier Tagen geschafft haben.
Zu Besuch in Hogwarts – Durham Cathedral
Knapp anderthalb Stunden von Whitby entfernt liegt Durham, wo wir auf unserer Weiterfahrt Richtung Glasgow noch einmal angehalten hatten, um in der wirklich beeindruckenden Kathedrale (Eintritt wieder auf Spendenbasis) nach weiteren Harry Potter Drehorten zu suchen. Die Durham Cathedral war Schauplatz für den Innenhof von Hogwarts und für McGonagalls Klassenzimmer, wodurch wir unsere Liste an Harry Potter Spots wieder um zwei weitere ergänzen konnten. Lego-Fans freuen sich hier über ein detailreiches Modell der Durham Cathedral aus knapp 300.000 Steinen, welches im historischen Mönchsschlafsaal ausgestellt ist. Wenn ihr in Durham seit, besucht auch unbedingt das Flat White Kitchen, nicht weit von der Kathedrale. Wir hatten hier ein ganz fantastisches Frühstück mit Pancakes und Victoria Sponge Cake, einem englischen Klassiker, nicht nur zum Afternoon Tea, und die Kinder hatten riesige heiße Schokoladen (Milchschoki und weiße Schoki).


Glasgow und Südschottland
Auf den nächsten Teil unseres dreiwöchigen Roadtrips hatten wir uns im Vorfeld ganz besonders gefreut: Für knapp eine Woche bezogen wir ein Airbnb in Glasgow. Dessen Lage in der Nähe vom botanischen Garten war perfekt um zu Fuß in den Tag zu starten oder die Abende ruhig ausklingen zu lassen. Unweit vom botanischen Garten fanden sich auch zahlreiche Restaurants, Bars und Cafés, die zum Verweilen einladen. Besonders empfehlen können wir das Hinba Speciality Coffee auf der Great Western Road, ein kleines unabhängiges Kaffee mit ausgezeichneten Backwaren und fantastischem Kaffee aus einer lokalen Rösterei.

In Glasgow selbst haben wir zwei wunderbare vollgepackte Tage verbracht, haben uns auf Graffiti-Jagd begeben, tolle Museen entdeckt und sogar schottische Hochlandrinder mitten in der Stadt gefunden. Was man in einer Woche Glasgow mit Kindern alles machen kann, wird ein eigener Artikel.
Edinburgh
Ein großer Reinfall war für uns ein Tagesausflug nach Edinburgh, denn gemeinsam mit uns hatten gefühlt noch eine Millionen andere Menschen an diesem Tag die Idee die schottische Hauptstadt zu besichtigen. Klein L musste die ganze Zeit auf der Schulter getragen werden, um überhaupt etwas oberhalb der Menschenmassen zu sehen. Durch die berühmte Victoria Street, in der mit dem Elephants Coffee auch der Geburtsort der Harry Potter Romane zu finden ist, ließen wir uns von den Touristenströmen durchtreiben und nach einem kurzen Marsch hoch zum Castle, für das man jedoch im Vorfeld hätte Tickets buchen müssen, beendeten wir unseren kurzen Ausflug nach Edinburgh mit einem zugegebenermaßen fantastischen Kaffee und erstklassigen Zimtschnecken im „The Milkman“. Vielleicht ist Edinburgh ein besseres Ziel in der Nebensaison, vielleicht hatten wir auch einfach nur Pech. Aber auch solche Tage gehören auf Reisen dazu.
Loch Lomond und Dumbarton Castle
Umso schöner war der Ausflug zum Loch Lomond, nördlich von Glasgow, dem größten See Großbritanniens. Wir unternahmen hier einzelne kleinere Spaziergänge, einer davon entlang des Duncryne Dumpling Trail, der etwa eine Stunde dauerte und einen schönen, wenn auch etwas von Farnen zugewucherten Ausblick über den See bot. Einen guten Zugang zum See fanden wir in der Region, in der wir waren, leider nicht.



Spontan entschieden wir uns dann noch dazu zum Dumbarton Castle zu fahren, welches am Firth of Clyde liegt, dem Fjord, in dem der aus Glasgow kommende Clyde River mündet. Mit etwas Glück kann man im Firth of Clyde Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale beobachten. Wir machen uns jedoch an den Aufstieg zum Dumbarton Castle. Diese imposante Befestigungsanlage thront auf einem 3 Millionen Jahre alten erkalteten Basaltfelsen und geht auf das 6. Jahrhundert zurück. Welche Rolle die Wikinger hier spielten erfährt man auf den zahlreichen Infotafeln auf der Burg. Nachdem wir die zahlreichen Stufen erklommen hatten (Nudel hat 392 gezählt) wurde wir mit einer fantastischen Aussicht über den Fjord bei Ebbe belohnt.
Was wir im letzten Teil unseres Roadtrips durch Großbritannien alles in Nordwales erlebten, lest ihr hier: