LeShuttle durch den Eurotunnel: Kosten, Ablauf und Linksverkehr

Wie kommt ein Auto eigentlich in einen Zug, was kostet die Fahrt und wie fährt es sich im Linksverkehr? Wir sind im Juli 2026 mit dem LeShuttle durch den Eurotunnel nach Großbritannien gefahren und drei Wochen später wieder zurück.
Auf 3.420 Kilometern haben wir Großbritannien mit dem Elektroauto erkundet, von Oxford und den Cotswolds über die East Midlands an die Küste Nordostenglands bis nach Glasgow und über Nordwales zurück.
Was kostet Hin- und Rückfahrt durch den Eurotunnel?
Wir hatten unsere Fahrt durch den Eurotunnel ungefähr drei Monate vor dem Termin gebucht und 430 € für unser Tesla Model Y und uns fünf Personen ausgegeben. Die Buchung läuft reibungslos über leshuttle.com, dort wählt man einfach die Daten für Hin- und Rückfahrt aus und kommt dann auf eine Seite, wo man die Uhrzeiten für die Überfahrten auswählen kann. Je nach Auslastung kosten die verschiedenen Abfahrtszeiten einen unterschiedlichen Betrag. Unsere Hinreise gegen Mittag hat zum Beispiel 183 € gekostet. Unsere ursprünglich gebuchte Rückreise, die nur eine Stunde eher war, 247 €.
Es gibt verschiedene Kategorien: Standard, Standard Plus und Flexiplus. Wir haben Standard gewählt und haben auf die Stornierungsoption, für 50 € extra, von Standard Plus verzichtet. Für Flexiplus hätte man knapp über 800 € bezahlen müssen, um kostenlos umbuchen und stornieren zu können. Bei Flexiplus kommen auch noch Priority Boarding und der Zugang zur exklusiven Lounge dazu, für uns stand das aber ohnehin nicht auf der Prioritätenliste.
Bei der Buchung muss außerdem angegeben werden, mit wie vielen Hunden, Katzen oder Frettchen man reist. Ja, Frettchen. Wir haben genauso geguckt.
Das Terminal in Calais
Wir hatten eine Nacht in Gent geschlafen und sind dann früh noch ungefähr eineinhalb Stunden bis zum Terminal in Calais gefahren. Unser gebuchter Zeitslot war 11:36 Uhr, die späteste Zeit zum Check-in wäre 10:36 Uhr, also eine Stunde vor Abreise, gewesen. Wir sind allerdings gut durchgekommen und bereits gegen 9:30 Uhr an den Schranken bei der Einfahrt zum Terminal angekommen. Dort musste man auf einem Touchscreen seine Buchungsnummer eingeben. Da wir sehr viel zu früh da waren und anscheinend die vorherigen Züge nicht besonders gebucht waren, konnten wir eine frühere Abfahrtszeit wählen. Dies ging auch ohne Gebühren, da sind wir uns aber nicht sicher, ob das auch bei höherem Verkehrsaufkommen möglich ist. An der Schranke wurde dann noch ein Ticket ausgedruckt, welches man sich an den Rückspiegel hängen sollte. Dort sind dann das Gate und die Abfahrtszeit vermerkt.
Wir sind dann noch kurz in das Terminal gegangen (wo es noch verschiedenste Cafés und Restaurants gegeben hätte), haben dort aber gleich beim Reingehen gesehen, dass unser Zug bereits zum Boarding aufgerufen war. Also ging es schnell wieder zurück zum Auto und dann weiter zu den Passkontrollen. Das Anstellen an den verschiedenen Boxen für die Passkontrolle lief doch relativ wild ab. Es gab keine genau definierten Schlangen, und sobald eine neue Box sich öffnete, versuchten alle Autos dort hinzukommen, um möglichst schnell in die Gates für den nächsten Zug zu kommen.
Ab der Schranke spielt es keine Rolle mehr, ob man nun seinen Zug bekommt oder nicht. Man stellt sich in die Schlangen bei den Passkontrollen, danach in die am Gate und irgendwann geht wieder eine Schranke nach oben und die Fahrt zum Zug kann beginnen.
Über eine Brücke kommt man zu den Gleisen, wobei die gesamte Struktur aussieht, als läge eine riesige Betonspinne am Boden. Worüber ich davor nicht wirklich nachgedacht hatte, war: Wie kommt eigentlich ein Auto in den Zug? Und viel wichtiger: Wie kommt der Reisebus, der da zehn Autos vor uns in der Schlange auf der Brücke steht, in den Zug? Als wir dann von der Brücke nach unten fuhren, konnte man den sehr langen Zug das erste Mal sehen. Der Teil hinter uns war zweistöckig für die normalen Autos. Unsere Gruppe bestand aus Bullis, Wohnwagen, Bussen, Autos mit Dachboxen und den Elektroautos. Der vordere Teil des Zuges schien für diese schweren und größeren Fahrzeuge reserviert zu sein.
Von Weitem konnte man sehen, wie der Zug in der Mitte geöffnet war, die Öffnung war groß genug, dass auch der Reisebus mit fünf Minuten Rangieren hineingepasst hat.
Wir sind dann den Autos vor uns gefolgt und nach ein paar Minuten war der vordere Zug so weit gefüllt, dass wir unsere Parkposition erreicht hatten. Da wir Elektroauto fahren, konnten wir die Lüftung laufen lassen. Für alle anderen hieß es: Motor aus und Fenster auf. Aussteigen war möglich, wir haben uns neben dem Auto ein bisschen die Füße vertreten. Wir mussten noch ungefähr 15-20 Minuten warten, bis die Fahrt dann losging. Der Zug ruckelt spürbar; draußen neben dem Auto stehend war das besser auszuhalten als drinnen. Nach 35 Minuten Fahrt hatten wir auch schon England erreicht und konnten dort am Terminal wieder den Zug verlassen.

Auf einmal Linksverkehr
Mit dem Verlassen des Terminals in Folkestone landeten wir ohne wirkliche Vorwarnung direkt auf der Autobahn. Das hieß für uns, erst einmal zurechtfinden und Navi checken, wann die nächste Abfahrt genommen werden muss. Zugleich sausten unerwartet von hinten rechts die schnelleren Autos vorbei. Ungewohnt war das Linksfahren auch für den Beifahrer. Mit jedem überholenden Auto ist man erneut zusammengezuckt. Nach ein paar Minuten hat man sich dann damit abgefunden und daran gewöhnt (zumindest als Fahrer). Im Allgemeinen waren Autobahnfahrten und Landstraßen weniger problematisch. Solange Verkehr da war und man sich an anderen Autos orientieren konnte, gab es keine Spurverwechslungen.
Schwierig wurde es nach einem langen Tag in der Stadt. Kaputt ins Auto gestiegen, dann raus aus dem Parkhaus auf eine leere Straße. Da bin ich zweimal in der falschen Spur gelandet. Nichts Schlimmes ist passiert, man merkt es aber spätestens, wenn der Gegenverkehr einem in der vermeintlich eigenen Spur immer näherkommt und die entgegenkommende Beifahrerin einen mit einer Salve an nicht allzu nett gemeinten Handzeichen grüßt.
Meiner Meinung nach kommt es zu solchen Situationen, wenn nicht ganz klar ist, in welche Richtung man jetzt fahren muss, um wieder zur Unterkunft zu kommen und gleichzeitig die Kinder noch fragen, wie lange es noch dauert. Die ganz normalen Dinge, bei denen die Routine einen in die falsche Spur, im wörtlichen Sinne, treibt.
Zurück nach Calais: was anders gelaufen ist
Ungefähr eine Woche vor unserer Rückfahrt von Folkestone nach Calais haben wir uns entschieden, unsere Reise in England um zwei Tage zu verkürzen und dafür noch zwei Tage in Gent zu verbringen. Auf der Hinfahrt hatten wir schon eine Nacht in Gent verbracht und dort den Abend sehr genossen. Wir wollten uns also die Stadt noch einmal bei Tag genauer anschauen.
Das Umbuchen des LeShuttle ist auch im Standardpaket problemlos für eine Gebühr von 24 € möglich. Man wählt einfach einen neuen Zeitslot und, wenn der genauso teuer ist wie der ursprünglich gebuchte, muss auch nichts extra bezahlt werden. Somit ist das Standard-Ticket mit Umbuchung wesentlich günstiger als das Flexiplus-Ticket.
Mit unserer Erfahrung der Hinreise, dass an der Schranke eine zeitigere freie Fahrt gewählt werden kann, sind wir auch bei der Heimreise wieder ein bisschen zeitiger zum Terminal gefahren. Gebucht hatten wir einen relativ späten Spot um 16:54 Uhr, da wir an dem Tag in Großbritannien bereits ungefähr 430 Kilometer zu fahren hatten. Wir waren also schon gegen 14:00 Uhr in Folkestone, und dieses Mal gab es keinen Touchscreen, sondern einen Mitarbeiter von LeShuttle in einem Häuschen, der uns einfach kommentarlos unser Ticket ausdruckte.
Als wir zum Passagierterminal gefahren sind, haben wir gesehen, dass auch in Folkestone neue digitale Anmeldebereiche gebaut werden und sicherlich auch demnächst in Betrieb gehen. Wir haben unser Auto dann an die Ladesäule gehängt, sind im Passagierterminal zu einem Café gegangen und haben uns ein paar Muffins und Getränke geholt. Ich bin dann doch noch einmal zur Info gegangen und habe gefragt, ob wir nicht einen oder zwei Züge eher nehmen könnten, und die nette Mitarbeiterin meinte, na klar, wir sollen uns einfach mit in die Schlange stellen.
Gesagt, getan, wir sind wieder durch ein ähnliches Chaos wie in Calais bei den Passkontrollen weiter zu den Boardingschlangen gefahren und haben uns dort einfach mit angestellt. Theoretisch hätten wir so mit einem Zug, der 15:36 Uhr fahren sollte, mitkommen können, aber es gab Probleme im Tunnel und somit Verspätungen. Gut zu wissen: In der Nähe der Gates gibt es auch immer ein Toilettenhäuschen. Letztendlich sind wir gegen 16:00 Uhr in den Zug gefahren und waren dann gegen halb sechs in Calais (Achtung: Eine Stunde Zeitverschiebung!). Dort ging es dann wieder aus dem Zug und man wurde ähnlich wie in Folkestone auf die Autobahn geleitet. Auch hier musste man sich nun erst einmal auf den Rechtsverkehr umstellen. Das war tatsächlich schwieriger als erwartet, vor allem weil wir ja danach direkt nach Gent, einer Stadt mit vielen engen und verwinkelten Straßen, gefahren sind. Aber nach zwei Tagen waren wir wieder an die europäischen Straßen gewöhnt.
Wie haben wir die Kinder beschäftigt?
Auf der Hinfahrt war kaum Ablenkung nötig. Die Wartezeit war kurz, und alle waren gespannt, wie das mit dem Auto im Zug überhaupt funktioniert. Während der Wartezeit und auf der Rückfahrt haben die Kids Podcasts und Hörspiele gehört. Checker Tobi, Anna und die wilden Tiere, Heldendumm, Die drei ??? (Kids) und Paw Patrol mit den neuen Dinofolgen. Sie haben uns immer mal wieder Fakten erzählt, die auch für uns neu waren. Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Schwanzflosse der Delfine nach oben und unten schlägt und nicht seitwärts wie bei Fischen?

Fazit
Die Fahrt durch den Eurotunnel war unkompliziert und mit 454 € für Auto und fünf Personen günstiger als gedacht. Wer flexibel bleiben will, bucht Standard und bucht bei Bedarf für 24 € um. Flexiplus lohnt sich unserer Meinung nach nicht.
An beiden Terminals ging es früher los als gebucht. Auf der Hinfahrt an der Schranke, auf der Rückfahrt nach kurzer Nachfrage an der Info. Wenn ihr also zeitiger da seid, fragt einfach.
Der Linksverkehr war weniger dramatisch als erwartet. Gefährlich wird es nicht auf der Autobahn, sondern beim Verlassen eines Parkhauses nach einem langen Tag oder in verwinkelten Straßen beim Navigieren ohne anderen Verkehr.
Über unsere Erfahrungen mit dem Laden berichten wir in unserem Artikel zum Elektroauto.